Die Themen des Planspiels PDF Drucken

In dieser Rubrik werden die Themen des Planspiels vorgestellt. Jede der Maßnahmen steht für einen energiepolitischen Handlungsansatz, der zur Zukunftsfähigkeit der Europäischen Energiepolitik beitragen könnte. Zu jedem Bereich sind zudem Pro- und Contra-Argumente aufgeführt. Um den Teilnehmenden ein möglichst vollständiges Spektrum der diskutierten Lösungsansätze zu bieten, finden sich auch einige Vorschläge auf der Liste, die wegen großer Meinungsunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten aktuell nicht auf der Tagesordnung stehen.

  1. Verbindliche Zielgrößen für den europäischen Energiemix
  2. Erweiterung der Infrastruktur für Erdgas- und Erdölimporte
  3. Steigerung der Energieeffizienz
  4. Sensibilisierung für ein neues Energiebewusstsein
  5. Abbau von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel im Binnenmarkt
  6. Gemeinsame Reserven und Solidarität
  7. Sichere und leistungsfähige Nutzung der Atomenergie
  8. EU-Förderung erneuerbarer Energien
  9. Aktionsplan „Saubere Kohle"
  10. Ökosteuern für fossile Energieträger (Erdgas, Erdöl, Kohle)
  11. EU als treibende Kraft einer globalen Umwelt- und Klimapolitik
  12. Versorgungssicherheit durch langfristige Allianzen
Informationen zum aktuellen Stand der EU-Energie- und Klimapolitik finden sich in der Lernlandschaft .
 
1. Verbindliche Zielgrößen für den europäischen Energiemix 2020 PDF Drucken
thumb_gesamtverbrauch.jpgDie Entscheidung über den Energiemix wird von den Mitgliedstaaten und von Unternehmen getroffen. Die Entscheidungen eines Landes wirken sich aber auch auf die anderen Mitgliedstaaten aus. Zwei Beispiele: Die Entscheidung eines Mitgliedstaates, weitgehend oder vollständig Erdgas für die Stromerzeugung zu verwenden, hat im Falle einer Erdgasknappheit erhebliche Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Nachbarländer. Auch die Entscheidung für oder gegen den Ausbau der Nutzung von Kernkraft kann erhebliche Folgen für andere Mitgliedstaaten haben – dies gilt für die Risiken der Kernkraftnutzung ebenso wie die Alternative, Kernenergie durch fossile Brennstoffe zu ersetzen.
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2. Erweiterung der Infrastruktur für Erdgas- und Erdölimporte PDF Drucken
thumb_p-013042-00-04h.jpgBereits heute muss die EU rund die Hälfte ihres Erdöl- und Erdgasverbrauchs importieren, bis 2030 könnte dieser Anteil auf 80 Prozent ansteigen. Beim Erdgas kommen 90 Prozent der EU-Importe aus nur drei Ländern (Russland, Norwegen, Algerien). Die geringe Anzahl von Anbietern und Versorgungswegen könnte zu einer zunehmenden Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten sowie Versorgungsengpässen führen.
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3. Steigerung der Energieeffizienz PDF Drucken
thumb_p-012491-00-06h.jpgDer Energieverbrauch der Europäer liegt weit über dem Weltdurchschnitt. Auch bei steigendem Lebensstandard ist eine deutliche Senkung des Energieverbrauchs möglich, indem die vorhandenen Einsparpotenziale genutzt werden. So werden z.B. bei der Energiegewinnung in Kraftwerken, in der Wärmedämmung von Gebäuden und im Verkehrssektor große Mengen an Energie verschwendet, da es zu wenig Anreize zum sparsamen Umgang mit Energie gibt.
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Sensibilisierung für ein neues Energiebewusstsein PDF Drucken
thumb_stecker.jpgEine europäische Energiewende kann nur gelingen, wenn es auch bei den Verbrauchern zu Verhaltensänderungen kommt. Oft bestehen geringe Kenntnisse, wo und wie sich mit vergleichsweise geringem Aufwand viel Energie einsparen ließe. Da die Europäer nur rund fünf Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Energie ausgeben, bestehen auch bei den derzeit relativ hohen Energiepreisen nur geringe Anreize, leicht zu verwirklichende Potenziale auch zu nutzen. Und da die ökologischen Folgen des europäischen Energiemodells im Alltag kaum direkt erfahrbar sind, fehlt es an wirklichem Verantwortungsbewusstsein.
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5. Abbau von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Handel im Binnenmarkt PDF Drucken
thumb_p-009892-00-9h.jpgDer einheitliche EU-Energiemarkt wurde schon vor einigen Jahren von den Regierungen der Mitgliedstaaten beschlossen. Doch bestehen nach wie vor viele Hindernisse für den grenzüberschreitenden Handel mit Energie. Die Energiemärkte der meisten Mitgliedstaaten werden von wenigen - i.d.R. vormals staatlichen - Energieversorgungsunternehmen dominiert, ein wirklicher Wettbewerb findet nicht statt. Dies liegt auch daran, dass die nationalen Stromnetze der Mitgliedstaaten nur einen geringen Verbundgrad aufweisen, einige Mitgliedstaaten, wie Malta, Irland und die baltischen Staaten, sind regelrechte ‚Energieinseln'.
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6. Gemeinsame Reserven und Solidarit PDF Drucken
thumb_p-010306-00-1h.jpgIn den 70er Jahren haben sich die EU-Mitgliedstaaten unter dem Eindruck der ersten Ölpreiskrise darauf geeinigt, gemeinsame bzw. abgestimmte Erdölreserven zu unterhalten, um Versorgungsengpässe besser bewältigen zu können. Für Erdgas, dessen Bedeutung im europäischen Energiemix stetig zunimmt, bestehen solche gemeinsam abgestimmten Reserven bislang noch nicht. 
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7. Sichere und leistungsfähige Nutzung der Atomenergie PDF Drucken
thumb_p-009892-00-8h.jpgBei der Nutzung der Atomenergie entstehen praktisch keine CO2-Emissionen und der benötigte Rohstoff, Uran, wird noch auf lange Sicht verfügbar sein (mind. 70 Jahre). Dennoch haben sich angesichts ungelöster Sicherheitsfragen und Entsorgungsprobleme von radioaktivem Material einige Mitgliedstaaten für einen Atomausstieg entschieden. Andere investieren in neue Kernkraftwerke und arbeiten an einer ‚vierten Generation' von Reaktoren, die wesentlich sicherer sein soll. 
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8. EU-Förderung erneuerbarer Energien PDF Drucken
thumb_windkraft_2.jpgViele sehen in den erneuerbaren Energien die Energiequelle für eine ökologisch nachhaltige Zukunft. Doch bislang machen sie nur etwas mehr als sechs Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der EU aus. In den meisten Szenarien spielen sie auch in den nächsten Jahrzehnten nur eine ergänzende Rolle bei der EU-Energieversorgung. Der Grund ist, dass nach derzeitigem Stand der Technologie die Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Biomasse im Vergleich zu den fossilen Energieträgern noch zu teuer ist. Und der Umstieg auf erneuerbare Energien erfordert Zeit. 
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9. Aktionsplan "Saubere Kohle" PDF Drucken
thumb_p-006395-00-4h.jpgStein- und Braunkohle sind die fossilen Energieträger, die noch am längsten verfügbar sein werden. Die Reserven werden auf 180 bis 230 Jahre geschätzt. Zugleich ist der Anteil des EU-Kohleverbrauchs, der aus heimischen Vorkommen gewonnen wird, mit 65 Prozent relativ hoch im Vergleich zu Erdöl und Erdgas, die überwiegend importiert werden müssen. Die Verbrennung von Kohle zur Energieerzeugung ist bisher jedoch problematisch, da mehr klimaschädliches CO2 freigesetzt wird, als bei Gas und Erdöl.
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10. Ökosteuern für fossile Energieträger (Erdgas, Erdöl, Kohle) PDF Drucken
thumb_autos.jpgBei der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und insbesondere bei dem Verbrauch von fossilen Energieträgern in der Produktion von Gütern entstehen Kosten, die nicht in den Preisen enthalten sind. Dazu gehören u.a. Gesundheitsrisiken, Luftverschmutzung, die Folgen von Öltankerunglücken und weltweite Kosten durch die Klimaänderung. Diese Kosten tragen die betroffenen Gesellschaften als Ganzes. Ein energiepolitischer Ansatz zielt darauf ab, diese Kosten zu internalisieren. D.h. der Preis sollte möglichst alle Kosten enthalten, die durch den Verbrauch von Energie tatsächlich anfallen. Bereits heute bestehen in der EU Mindeststandards für die Besteuerung von fossilen Energieträgern. Diese sind jedoch so niedrig angesetzt, dass sie nur bedingt zu einer Verhaltensänderung von Unternehmen und Privatverbrauchern beigetragen haben. Befürworter einer höheren Besteuerung von Öl, Gas und Kohle, deren Verwendung maßgeblich zum Treibhauseffekt und anderen Umweltbelastungen beiträgt, wollen damit den Verbrauch dieser Energieträger senken und andere CO2-freie Energiegewinnungsarten attraktiver machen.
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11. EU als treibende Kraft einer globalen Umwelt- und Klimapolitik PDF Drucken
thumb_leuchtturm.jpgFür die globale Herausforderung der Energiewende reichen europäische Ansätze allein nicht aus. Um tatsächlich den globalen Temperaturanstieg auf die vereinbarte Zielvorgabe von höchstens zwei Grad über dem vorindustriellen Stand begrenzen zu können, müssen die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten weltweit deutlich gesenkt werden. 
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12. Versorgungssicherheit durch langfristige Allianzen PDF Drucken
thumb_eu_flaggen.jpgDer steigende Weltenergieverbrauch, sinkende Erträge aus der eigenen Förderung in Verbindung mit nur wenigen - oft wirtschaftlich und politisch instabilen - Lieferantenländern prägen die geopolitische Situation. Es geht vor diesem Hintergrund darum, für die Mitgliedstaaten der EU kontinuierliche und erschwingliche Importe, insbesondere von Erdöl und Erdgas, zu sichern. Bislang beruhen die Beziehungen in diesem Bereich auf bilateralen Abkommen und Verträgen zwischen einzelnen Mitgliedstaaten und Lieferantenländern. Angesichts des anhaltend hohen Verbrauchs Nordamerikas und der stark wachsenden Energienachfrage der Schwellenländer, insbesondere Chinas und Indiens, wird der Konkurrenzdruck um die weltweiten Erdöl- und Gasreserven voraussichtlich zunehmen. Wenn die EU-Mitgliedstaaten - zusammen der zweitgrößte Energiemarkt der Welt - ‚mit einer Stimme' mit den Lieferantenländern verhandeln, könnten sie ihre Position deutlich verbessern.
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Kontakt

Sascha Meinert

Institut für prospektive Analysen

Tel.: (030) 33987340

Email: meinert@ipa-netzwerk.de  

© 2008 Sascha Meinert und Michael Stollt