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Der weltweite Energieverbrauch und damit die globalen Treibhausgasemissionen steigen weiter an PDF Drucken
Der weltweite Energieverbrauch liegt gegenwärtig fast doppelt so hoch wie zu Beginn der 70er Jahre. Die wichtigsten Energieträger sind heute Öl (34%), Kohle (24%) und Gas (21%). Die erneuerbaren Energien decken knapp 14%, die Kernenergie rund 7% des globalen Energieverbrauchs. Nahezu alle vorliegenden globalen Szenarien gehen von einem weiteren Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs aus. Nach Schätzungen der Internationalen Energie Agentur wird der globale Energiebedarf bis 2030 um zwischen 50% und 60% - also jährlich um 1,5% bis 2% ansteigen, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Getrieben wird die wachsende Energienachfrage - die sich durch den hohen Verbrauch der Industrieländer schon heute auf einem sehr hohen Niveau bewegt - vor allem durch das hohe Wirtschaftswachstum in den großen Schwellenökonomien wie China und Indien.

p-006395-00-4h.jpg Bereits heute sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Ein wesentliches Merkmal der bisherigen Entwicklung ist das umgekehrte Verhältnis von Verursachung des Klimawandels und der Gefährdung durch seine Folgen. Die Industrieländer sind für den Großteil der bislang ausgestoßenen Treibhausgase und damit des menschlich verursachten Klimawandels verantwortlich. Allein die USA stehen für rund 30% aller bislang von der Menschheit verursachten CO2-Emissionen. Aber 98% der Menschen, die in den letzten Jahren von Klimakatastrophen betroffen waren, leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Nicht nur das Verursacherprinzip, auch die unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit führt zu einer besonderen Verantwortung der Industriestaaten. Zudem verfügen in erster Linie die Industriestaaten über die notwendigen Techniken, um Treibhausgasemissionen zu verringern, sowie die Forschungspotentiale, um neue Technologien zu entwickeln. Der Erfolg einer globalen Klimapolitik wird auch maßgeblich davon abhängen, ob die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern die damit verbundene Lastenverteilung als fair empfinden.

Auch wenn das Verständnis des globalen Klimasystems über die letzten Jahrzehnte enorm zugenommen hat, es handelt sich hier um ein komplexes System, dass nicht vollkommen berechenbar ist. Wir können heute nicht genau sagen, wie sensibel das globale Klimasystem auf die vom Menschen verursachten Änderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre reagieren wird. Eine große Unsicherheit liegt z.B. in der Frage, ab welchen kritischen Schwellenwerten positive Rückkopplungen und damit evtl. ein galoppierender, sich selbst beschleunigender Klimawandel einsetzt. Eine Vielzahl von Wissenschaftlern sieht in einem globalen Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellem Niveau von 2°C einen Grenzwert, der nicht überschritten werden sollte. Nach heutigen Erkenntnissen ist hierfür erforderlich, dass die Emissionen der Industriestaaten - den bisherigen Hauptverursachern - bis 2050 um 60 bis 80 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau gesenkt werden. In den Schwellen- und Entwicklungsländern geht es um eine Begrenzung des Anstiegs auf möglichst niedrigem Niveau. Zudem müsste der Zuwachs der globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2020 zu gestoppt werden und dann bis zur Jahrhunderthälfte um 50 Prozent gegenüber 1990 sinken - das heißt um etwa 60 Prozent gegenüber den heutigen Werten - und die Emissionen dürften dann auch langfristig dieses Niveau nicht überschreiten.

Es geht um nicht weniger als den grundlegenden Umbau der Industriegesellschaft, wenn bis 2050 für eine von 6,5 Milliarden auf über 9 Milliarden anwachsende Weltbevölkerung Güter und Dienstleistungen angemessen bereit gestellt werden sollen und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen um 50% sinken sollen. Denn, wie oben beschrieben, der Business-as-Usual-Trend weist in eine andere Richtung: Das „Referenzszenario" der Internationalen Energieagentur geht von einer Steigerung der Emissionen bis 2030 um weitere 50% aus.
 

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Sascha Meinert

Institut für prospektive Analysen

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